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Kampf gegen Prostatakrebs

By 16. April 2015 No Comments
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Westfälisches Volksblatt 2.12.2015

Aus dem Westfälischen Volksblatt vom 12.2.2015

„Fusion von MRT- und Ultraschallbildern soll Trefferquote und Zielgenauigkeit erhöhen

»Ihre PSA-Werte sind erhöht.«

 Eine solche Mitteilung des Arztes löst beim Patienten Unruhe aus: Es muss nicht, könnte aber Prostatakrebs bedeuten. Nichts ist schlimmer als die Ungewissheit. Gegen diese Ungewissheit wenden Paderborner Mediziner erstmals in einer Facharztpraxis ein Verfahren an, das bislang nur in einigen Kliniken oder im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg genutzt wird.

Die Paderborner Urologen Thorsten Meuer, Hendrik Bertels und Dr. Wilhelm Waegner sowie Radiologe Dr. Carsten Figge setzen seit dem vergangenen Mai auf ein kombiniertes Verfahren, um in der Radiologischen Gemeinschaftspraxis »roentgen-paderborn« zielgenau und mit hoher Trefferquote Prostatakrebs zu erkennen. Bilder, die durch Untersuchungen in der Kernspintomographie (MRT) gewonnen wurden, werden nun mit Bildern aus Ultraschall-Untersuchungen kombiniert. Die Ärzte sprechen von einer »Fusion« der MRT-Bilder und Ultraschallbilder. Dazu ist ein mit spezieller Soft- und Hardware ausgerüstetes Gerät erforderlich, das jetzt in Paderborn erstmals in einer Praxis in Ostwestfalen- Lippe außerhalb der Kliniklandschaft eingesetzt werde, sagt Radiologe Dr. Hans-Ulrich Jarck (58).

Die Bilder werden in diesem speziell ausgerüsteten Ultraschallgerät übereinandergelegt. Dadurch kann der Urologe die verdächtige Zielregion zuverlässig erkennen und ganz gezielt an dieser Stelle eine Probe aus der Prostata entnehmen. Das neue Verfahren verhindere ein »Stochern im Nebel « mit einem oft unbefriedigenden Ergebnis, bei dem zum Kummer des Patienten der Prostatakrebs-Verdacht nicht ausgeschlossen sei. Da komme die Fusionsmethode zu weitaus besseren Ergebnissen.

Die beteiligten Mediziner sprechen in Paderborn von einem Meilenstein im Kampf gegen Prostatakrebs. In der Paderborner Praxis seien bisher etwa 150 Patienten mit diesem Verfahren untersucht worden. Früh und zielsicher erkannter Prostatakrebs ermögliche dem erkrankten Mann Behandlungen und biete einen Überlebensvorteil. »Das Verfahren erhöht die Treffsicherheit deutlich«, sagt Dr. Jarck. Er geht davon aus, dass dank dieses Verfahrens die als unangenehm empfundenen Biopsien (zehn bis zwölf gestanzte Probeentnahmen in der etwa fünf Zentimeter großen Prostata unter lokaler Betäubung) in Zukunft reduziert werden können. Dies werde aber erst nach neuen Studienergebnissen möglich sein. Dass diese innovative Technik in Paderborn angeboten wird, sei ein echter Fortschritt, sagt Dr. Figge.