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Fachärzte sind Stolz auf Spitzenstellung

By 23. März 2015 No Comments

Aus der „Neuen Westfälischen“ Paderborn vom 3.3.2015

Paderborner Mediziner bei der Erkennung von Prostatakrebs bundesweit in der ersten Liga

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Neue Westfälische 3.3.2015

Prostatakrebs gilt als Schrecken der Männer. Paderborner Fachärzte –Urologen und Radiologen –arbeiten Hand in Hand, um die Krankheit früher zu erkennen. Als bundesweit erste Fachärzte stehen sie durch den Einsatz modernster Diagnosetechnik an der Spitze der Medizin-Entwicklung. Erste Erfolge haben sich schon eingestellt.

Die neue Diagnosetechnik besteht im wesentlichen aus zwei Hightech-Elementen: Ein Kernspintomograph gehört schon länger zum Standard der Radiologischen Gemeinschaftspraxis „roentgen paderborn“ am Mersinweg 22. Dazu kommt seit dem letzten Jahr ein neuartiges Ultraschallgerät für 160.000 Euro.

Indem beide Geräte kombiniert werden, ist es nun möglich, gezielt Gewebeproben aus der Prostata zu entnehmen. Radiologe Hans-Ulrich Jarck:„Bisher konnten wir Proben nur ungefähr entnehmen. Man musste gewissermaßen gedanklich einen auffälligen Befund des Tomographen mit dem Ultraschallbild verbinden, um dann aus der entsprechenden Region der Prostata eine Probe zu nehmen.“

Wenn sich dann bei der Untersuchung der Proben im Labor nichts Auffälliges zeigte, musste der Patient weiter mit der Ungewissheit leben, woher seine auffälligen Werte kommen. Denn auch gutartige Tumore können den sogenannten PSA-Wert als Indikator für eine mögliche Krebserkrankung hoch treiben. (PSA steht für prostatspezifisches Antigen und ist ein Enzym).

Der innovative Clou nennt sich nun „MRT-/Ultraschallfusionierte Biopsie“. MRT steht dabei für Magnetresonanztomographie. Dabei werden Magnetwellen, keine Röntgenstrahlen benutzt. Durch moderne Bildverfahren und den Einsatz eines Kontrastmittels werden nach Angaben der Fachärzte speziell schnell wachsende Tumore zuverlässig sichtbar gemacht. Die entsprechenden Gewebeproben können dann genau an den richtigen Stellen entnommen werden (Biopsie). Diese werden per Ultraschallgerät angesteuert. Dabei gleicht das Hightechgerät die eigenen Bilder in Echtzeit mit den Bildern der Kernspin-Untersuchung ab – bis die Tumore gefunden sind.

Rund100 Patienten haben die Fachärzte bisher mit dem neuen Verfahren behandelt. Während vorher – pro Untersuchung werden 10 bis 12 Proben aus der etwa fünf Zentimerter großen Prostata gestanzt – die Nachweisrate bei unbefriedigenden 40 Prozent lag, sei sie seitdem deutlich gestiegen.

Der Radiologe Carsten Figge sagt: „Die Fachwelt ist sich einig, dass die neue Methode die alte in Zukunft komplett ablösen wird.“ Was für die Patienten ein Segen wäre – schließlich entfielen quälende Ungewissheit und womöglich wiederholt erfolglose Eingriffe.

Die Paderborner Facharzt- Zusammenarbeit ist nach eigenen Angaben bundesweit einmalig. Ähnliche Untersuchungen würden bisher nur an Uni-Kliniken durchgeführt. Dort jedoch, so Hans-Ulrich Jarck, hätten die Patienten nicht die Gewissheit, es im Laufe der Zeit immer mit demselben Facharzt zu tun zu bekommen. Auf ihre Zusammenarbeit und die damit erzielten Behandlungserfolge sind die Paderborner Mediziner jedenfalls durchaus stolz. Der Urologe Hendrik Bertels berichtet von seinen Erfahrungen, wenn er andernorts mit Kollegen zusammentrifft: „Es ist schon toll, wenn man zum Beispiel in Hamburg an der Uni-Klinik in Eppendorf sagen kann: Was ihr da machen wollt, das praktizieren wir in Paderborn schon.“